Notizen über die allgemeine Verunsicherung

Nie wieder Kunst

Nie wieder Kunst

Auszeichnungen: AT 2x Platin

LP: 1994 DE (EMI Austria 8315111)

MC: 1994 NL (EMI Austria 450965)

MC: 1994 NL (EMI Austria 83151141)

CD: 1994 NL (EMI Austria 353979, Club Edition)

CD: 1994 NL (EMI Austria 8315112) (VÖ: 24.11.1994)

  1. Nie wieder Kunst [I]
  2. Flugzeug [Single]
  3. Cinderella [I]
  4. The frogs are coming [Single]
  5. 300 PS (Auto...) [Single] [R]
  6. Barbara
  7. Die Zeit
  8. Edi [I]
  9. Geburtstag
  10. Einmal möchte ich ein Böser sein [Single] [I]
  11. Hallo [I]
  12. Zwirch und Zwabel [Single]
  13. Die Geschichte
  14. Ibrahim
  15. Eierkopf-Rudi
  16. Leckt's mi... [Single] [I]

Single-Auskopplungen und Videos [Übersicht]

Rezension

Geschrumpft (ein Großteil der Band war im Studio nicht mehr dabei) und voller Ideen meldet sich die EAV nach langer Pause wieder zurück. „Nie wieder Kunst“ haben sie sich geschworen - und dementsprechend unkonventionell und abgedreht beginnt das Album auch. In brillianten Kurzreimen - untermalt von einem schrägen und wirr gemixten Rythmus - wird mit der gesamten Kunstszene und deren Liebhaber gründlich abgerechnet. Weiter geht es mit 300 PS, einer rockigen Hitnummer, und der „realistischeren“ („in Wahrheit gehen Märchen anders aus“) EAV-Version von „Cinderella“.

So gut wie das Album anfängt, geht es jedoch leider nicht weiter. Zum ersten Mal gibt es Schwachstellen: Lieder, die sich beim ersten Mal nicht sofort als Ohrwurm zwischen Hammer und Amboss einnisten. Der Trend zu reinen Gagliedern, der in „Himbeerland“ gipfelt, zeichnet sich hier bereits ab. Aber „Nie wieder Kunst“ bleibt überraschend: Denn mit „Zwirch & Zwabel“ wird wohl der Gipfel der verrückten Töne und des blanken Wahnsinns erreicht. Das ironische „Einmal möchte ich ein Böser sein“ (typisch für die Weltanschauung von Spitzer!) ist als einer der besten EAV-Songs aller Zeiten der Höhepunkt des Albums.

Musikalisch hat die EAV offenbar auch abgespeckt. Noch nie wurde so massiv der Computer anstatt selbstgespielter Instrumente benutzt, noch nie wirkten die Lieder so synthetisch. Erdige Stücke wie „Einmal möchte ich ein Böser sein“ oder „Eierkopf Rudi“ sind die Ausnahme.

Einen Mangel an Kreativität kann man Eberhartinger und Spitzer nach diesem Album wohl nicht vorwerfen, dennoch vermißt man als Fan die alten Hasen wie Eik Beit (im Studio zwar dabei, aber beim Komponieren kaum beteiligt), die der Musik noch den letzten Schliff versetzen und selbst noch etwas beitragen konnten. Die EAV hat sich verändert, mancher Fan mag vielleicht enttäuscht sein. Fest steht jedenfalls: „Nie wieder Kunst“ hat sein ganz eigenes Profil, es ist teilweise schräg, teilweise konservativ.