Notizen über die allgemeine Verunsicherung

Cinderella

Es lebte einst ein schönes Mädel,
Cinderella war ihr Nam'.
Und es wartete vergebens
auf den Prinz der niemals kam.

Sie schlief im Kohlenkeller,
trotzdem war sie bettelarm,
weil sie von der vielen Kohle,
die da lag zuwenig nahm.

Aschenbrödel sei kein Blödel
vertrödel keine Zeit.

Eines Abends, so um sieben,
schlich sie heimlich sich hinfort,
um ein Tänzchen kurz zu schieben
im Nachbarort.

Steinig war's, guru guru,
sie hatte keinen Schuh.

Auf dem Schlosse angekommen,
Gold, Geschmeide, Sakrament!
Und sie hörte ganz benommen
die Gebrüder Grimmig Band.

Ans zwa drei vier

Komm', Cinderella, hol' die Wurst vom Teller.
Komm', Cinderella, bevor die Turmuhr läut'.
Komm', Cinderella, mach ein wenig schneller.
Denn bis zur Mitte der Nacht
ist nur mehr wenig Zeit.

An der Bar steht Prinz von Ölen,
er ist wieder grausam zu.
Und alsbald hört man ihn grölen:
„Schönes Kind, wer bis denn Du?“

„Bin ein armes Findelkindel,
bargeldlos und ohne Schuh!“

„Was bist Du? Ein Findelkindel?
Bargeldlos und ohne Schuh?“,
rief der Prinz, „Das klingt nach G'sindel.
Freunde, was sagt Ihr dazu?“

Armes Kind, hier hast du was,
kauf Dir zwei neue Adidas.

Prinz von Ölen zeigt Erregung,
stiert sie roten Auges an,
erwägt die Temporärbelegung,
formuliert den Beischlafplan.

Sagt zu ihr „guru guru,
Mädel hör' gut zu“.

„Du marschierst jetzt in den Keller
und dort fährst Du aus dem Kleid.
Mach' die Fliege, den Propeller,
ich trink noch eine Kleinigkeit!“

Prost!

Komm', Cinderella, hol die Wurst vom Teller.
Komm', Cinderella, bevor die Turmuhr läut.
Komm', Cinderella, mach ein wenig schneller.
Denn bis zur Mitte der Nacht
ist nur mehr wenig Zeit.

Cindy wartet drunt im Dunkeln,
steigt aus ihrem Jutestoff.
Oben ist der Prinz am Schunkeln,
weil er den Termin versoff.

Also eilt sie flink nach oben
nach zwei Stunden voller Zorn.
Einen Zacken in der Krone
hat der Prinz und fällt nach vorn.

Aschenbrödel, sei kein Blödel,
Zock ihn ab den dumpfen Dödel!

Cinderella sprach: „Herr Ölen,
Hoheit sind erstaunlich fett.
Demnächst wern wir uns vermählen
und dann ab ins Himmelbett!“

„Was sagst Du? Laut Märchen
werden wir ein Pärchen?“
Märchen gehen eiderdaus
in Wahrheit anders aus.

Es sprach der Prinz zu Cinderella:
„Marsch nach Hause hopp und zack!
Ab in Deinen Kohlenkeller
morgen ist ein harter Tag!“

Ans zwa drei vier

Komm', Cinderella, springt auch die Wurst vom Teller.
Komm', Cinderella, nimm' es nicht so schwer.
Komm', Cinderella, weine nicht im Keller.
In hundert Jahren
da gibt's Dich sowieso nicht mehr.

Credits

Text: Thomas Spitzer
Musik: Thomas Spitzer, Klaus Eberhartinger
Sänger: Klaus Eberhartinger
Produzent: Thomas Spitzer, Klaus Eberhartinger, David Bronner

Bemerkungen

„im Öl“ = „fett“ = „betrunken“. Thomas Spitzer schrieb für Mike Krüger den Text zu dem Lied „Aschenbrödel, Aschenknödel“. Der Refrain dieses Lieds lautet auch „Cinderella“. Abgesehen vom Thema „Aschenputtel“ handelt es sich jedoch um einen gänzlich anderen Song.

Publikationen

Diese Produktion ist auf folgenden Publikationen erschienen:

Varianten

Folgende Varianten dieses Liedes existieren:

Dieses Lied kommt in folgenden Liedern als Liedteil oder als Zitat vor: