Notizen über die allgemeine Verunsicherung

Wien, Du Stadt meiner Träume

Küss die Hand, die Damen, guten Abend die Herr'n,
servus die Mädels, grias Euch die Bub'n!
Begrüße alle auf's herzlichste in unserer Wiener
Stadt, der Stadt der Musik!

Ja, meine sehr verehrten Damen und Herren,
internationale Musikstars kommen natürlich gern
in unsere Musikstadt, speziell an die Wiener
Staatsoper, wenn's wieder frische Subventionen
gibt. Und auch wir haben heute weder Mühnen noch
Steuergelder gespart, um Ihnen den Star-Tenor präsentieren zu
dürfen, auf den Sie alle warten. Wir begrüßen mit Frenetel
unseren blasierten Flamingo! Applaus!

Wien, Wien nur Du allein,
Du sollst die Stadt meiner Gagen sein.
Gerne komm' ich immer wieder,
nirgendwo gibt's so viel Flieder!
Wien, Wien, nur Du allein,
lade mich bald wieder ein!

Bravo! Bravo Majestro! Danke, Küss die Hand, Bussi,
mein Gott na, Gschamster Diener. Bravo! Mein Gott,
er muss ja schon wieder weg, nach New York, an die XXX,
auch dort wartet ein Scheck auf ihn. Aber meine sehr verehrten
Damen und Herren. Was wäre unsere Stadt ohne das Aushängeschild
Nummer 1, die Wiener Sängerknaben. Ja, und auch sie haben wir heute
zu Gast. Burscherl'n kommt's raus, na draut's Euch, ja sind sie
nicht lieb, vorpupertäre Bengel, sowas herziges. Lass Dich
knuddeln, Du Wutzi, Du! Na sowas, also wenn i mas so anschau,
dann wunderts mich überhaupt nicht mehr, dass sogar unser Kardinal
Groer extra für sie den Duschkabinen-Marsch komponiert hat.
A Stück für Blasorchester und Trillerpfeiferl. Ich hab sogar
gehört, er soll sie nach seiner Pensionierung sogar als Abfindung
bekommen.

Nun aber Bühne frei und viel Vergnügen mit den Wiener Sängerknaben!

Credits

Text: Thomas Spitzer, Siecynski
Musik: Siecynski
Sänger: Klaus Eberhartinger, Andy Töfferl
Produzent: Jerry Pacher

Bemerkungen

Der „Duschkabinen-Marsch“ ist eine Anspielung auf die Vorwürfe, die ein Teilnehmer eines Knabenseminars 1995 gegen den österreichischen Kardinal Groer erhob. Groer soll diesen jungen Mann sexuell missbraucht haben. Der Fall ist bis heute nicht geklärt. Näheres zu Kardinal Groer in den Zusatzinfos zu „Tu Felix Austria“.

Grundlage

Dieses Lied ist eine Variante von „Wien, Wien, nur Du allein“, erschienen auf „Café Passé“ (anderer Text und andere Produktion).

Publikationen

Diese Produktion ist auf folgenden Publikationen erschienen: