Notizen über die allgemeine Verunsicherung

Man soll den Tag...

Unlängst war, genau beäugt,
ein Tag, an dem man Helden zeugt.
Zirpen-Grill und Sonnenschein,
es sollt' ein Tag der Wonnen sein.

Statt Most zu holen lag der Bartl
ausgestreckt im Schreber-Gart'l.
Die Murge und der Radi sproß,
das Unkraut aus dem Boden schoß.
Ein Frettchen aalt sich im Soleil,
die Finken schlugen wohl und weil
der Wurm aus seinem Apfel kroch,
die ganze Welt nach Frieden roch.

Jedoch, jedoch:

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben,
denn so ein Tag währt lang und ist ein Hund!
Man steigt am Tag die Leiter ganz nach oben.
Doch kurz bevor es dämmert,
wird vom Schicksal man behämmert
und sitzt ganz belämmert
wieder drunt'!

Der Bartl eilt zum Mittagstisch,
dort gibt’s wie jeden Freitag: Fisch,
grätenlos mir Wirsing-Kohl
und Sojamilch statt Alkohol.

Zurück begibt sich dann der Bartl
ins sonnenwarme Schreber-Gart'l,
vergisst, dass hinterm Horizont
auch gern die schwarze Wolke wohnt.
frei von Kummer und von Harm
kratzt er sich am Unterarm,
wobei er stündlich neu betont:
„Der Tag hat sich bis jetzt gelohnt!“

Jedoch, jedoch:

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!

Der Abend naht, es dämmert kühl,
der Bartl fährt zum Fußballspiel;
mit dem Biere in der Hand
bejubelt er den Pausenstand.

„Pardauz!“, da fehlt ihm jäh ein Zahn,
gezog'n von Doktor Hooligan!
Das passiert, wenn man sich irrt
und ungeniert, wie deplatziert,
in der Gegnerkurve applaudiert!

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben,
denn so ein Tag währt lang und ist ein Hund!
Man steigt am Tag die Leiter ganz nach oben.
Doch kurz bevor es dämmert,
wird vom Schicksal man behämmert
und sitzt ganz belämmert
wieder drunt'!

Mit dem Zahn in seiner Hand
hat Bartl sich den Weg gebahnt
zum Auto und liegt wieder flach.
ein Ziegelstein entfloh dem Dach,
beschert zuerst der Fontanelle
und dann dem Auto eine Delle,
das lauter platte Reifen hat
von einem Messer-Attentat,
was ungut für die Weiterfahrt
und der Schlüssel, wie in diesem Fall,
durchs Gitter rutscht vom Ortskanal.

Er hinkt nach Hause desperat,
wobei er ganz vergessen hat,
dass an dem Fernbedienungsring
auch sein Haustorschlüssel hing.

An der verschloss'nen Eingangstür
klebt der Kuckuck. Weh, oh mir,
jetzt kommt auch noch der Nachbarsköter
und brilliert als Wadentöter!
Spätestens mit Hund am Bein
fall'n Bartl jäh die Zeilen ein:

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben,
denn so ein Tag währt lang und ist ein Hund!
Man steigt am Tag die Leiter ganz nach oben,
doch kurz bevor es dämmert,
wird vom Schicksal man behämmert
und sitzt ganz belämmert
wieder drunt'!

Der Bartl klopft den Hund vom Bein.
Es dämmert ihm beim Glockenschlag:
Das war kein optimaler Tag!

Credits

Text: Thomas Spitzer (nicht genannt)
Musik: Thomas Spitzer (nicht genannt)
Sänger: Klaus Eberhartinger

Siehe auch

Hintergrundinformationen der Publikation: „Alles ist erlaubt“

Publikationen

Diese Produktion ist auf folgenden Publikationen erschienen: