Notizen über die allgemeine Verunsicherung

Very-Best-of, DVDs und ein neues Album

Nachdem sich die EAV von der EMI getrennt hatte, wächst die Plattenfirma ja förmlich über sich heraus. Eilig nimmt sie das Master von „Grätest Hitz“, holt sich den nächstbesten, der mit einem Grafikprogramm umgehen kann, gibt ihm ein uraltes Foto, lässt ihn ein Cover zusammenklicken und bringt das ganze in der Reihe „Sounds of Austria“ als „Very Best of EAV“ heraus. Wer bei einem Very-Best-of-Album an eine sentimentale Werkschau denkt, gehört ins Lager der Nostalgiker. Hier handelt es sich um ein Krabbeltisch-Produkt erster Güte, das wahrlich schauderhaft ist. Ich glaube, wegen diesem Album weint der Wald, der das Papier lieferte und das CD-Presswerk macht vor lauter Frustration zu.

Ein Best-of kauft man sich ja eigentlich nicht. Man kauft sich Alben. Best-of-Platten sind oft lieblos und konzeptlos zusammengestellt, bieten keinen Einblick in das künstlerische Schaffen und enthalten meist eh nur die Singles, die sich gut verkauften und nicht die guten. Wer würde sich beispielsweise einen Kunstband kaufen, der nur Collagen von bekannten Gemälden enthält und keines davon vollständig? Als Fan ist man jedoch von einer Bessenheit befangen, die es einem schwer macht, eine Lücke in der Sammlung zu lassen. Also kauft sich doch das Best-of-Album. Das „Very Best of EAV“ hat jedoch bisher noch nicht den Weg in mein CD-Regal gefunden.

Ach, was war „Kann denn Schwachsinn Sünde sein...?“ für ein Album! Es gehört für mich immer noch zu den besten Best-of-Alben überhaupt. Das neue Tocotronic-Packet zum 10-jährigen Jubiläum ist ähnlich gut. Auch hier hat sich eine Band Gedanken darüber gemacht, wie man die besten Songs präsentieren muss, so dass der normale Musikhörer Geschmack auf mehr bekommt, aber gleichzeitig auch die Fans mit Raritäten beglückt werden. Der EAV ist mit „Kann den Schwachsinn Sünde sein...?“ dieser Spagat gelungen. „Very Best of“ hingegen ist eine Reader's Digest-Version der EAV, mit heißer Nadel von einem Plattenmulti gestrickt.

Aber immerhin ist der Inhalt gut! Bleibt nur zu hoffen, dass auf diese Art und Weise wenigstens viele Menschen wieder auf die EAV aufmerksam werden und die richtigen Alben kaufen. Neulich betrat ich beispielsweise einen Musikladen, in dem das Very-Best-of gespielt wurde. Ich kann mich nicht erinnern, wann das letzte Mal was von der EAV aufgelegt wurde. Immerhin also ein kleiner Schritt ...

Es geht noch weiter: Am 29. März 2004 erscheint die erste EAV-DVD. Hierbei handelt es sich nicht um die schon seit langem angekündigte DVD-Zusammenstellung der Band, sondern um die beiden Konzertmitschnitte „Echte Helden“ und „Kunst-Tour“, die bislang nur auf VHS erschienen und zum Teil schon lange vergriffen sind. Das ist wenigstens einmal etwas für Fans! Viele von uns werden zwar die VHS-Kassetten besitzen, doch VHS wird durch das Abspielen auch nicht besser. Deshalb kann man hier trotz Konservenware sagen: Danke, EMI. Bleibt nur zu hoffen, dass Bild- und Tonqualität verbessert werden. Die VHS-Aufnahmen sind teilweise recht dürftig.

Wie geht es nun mit der EAV weiter? Eine neue Plattenfirma ist noch nicht gefunden. Tom arbeitet deshalb gerade in Kenia an einem neuen Album, das er als Appetithappen präsentieren möchte. Ob es sich dabei um ein EAV- oder ein Solo-Album handeln wird, ist noch offen. Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein, da es sehr politisch geprägt sein soll! Juhu! Das predige ich ja schon seit langem! Ob es eine Frauenluder-Tour geben wird, ist immer noch nicht entschieden. Momentan touren die Jungs mit dem altbewährten Best-of-Programm. Sehr zu empfehlen ist übrigens das Konzert am 18. Juni 2004 in Otterstadt (Rhein-Neckar-Dreieck). Es wird von einem eingefleischtem EAV-Fan in Eigenregie organisiert!

Alles in allem sieht es also ganz gut aus im Jahr 2004. Freuen wir uns auf die DVD und das neue Album!

Autor: Alexander Mayer

Letzte Änderung: 20.03.2004