Trick der Politik

Download: 2018 AT (Ariola) (VÖ: 22.06.2018)
- Trick der Politik (3:10) [I]
Bemerkungen
In der ersten Vorab-Single des Albums „Alles ist erlaubt“ zeigt sich die EAV musikalisch im klassischen EAV-Stil. Ein Refrain mit Wortspiel-Wiederholungen, der das Ohr kapert und nie wieder verlässt und in den Strophen Klaus Eberhartinger als Erzähler. Das Thema und der Text sind jedoch ein klares Kind des Spätwerks der EAV. Hier werden nicht die großen Themen genommen und soweit in einer niedlich-witzigen Story verpackt, dass es prototypische Party-People gar nicht merken, zu welcher Mucke sie abfeiern. Der Text bleibt zwar auch hier im Abstrakten und nicht im Tagespolitischen, dennoch ist er weitaus näher an der Aussage, die das Lied vermitteln will, als es bei der EAV der 80er und 90er-Jahre der Fall war. Die Intelligenz des Textes versteckt sich in dem Song nicht hinter einem Kinderlied-Refrain.
Die Konstruktion des Liedes ist klug gewählt: Es werden drei Geschichten von Politikern aus drei wichtigen politischen Ebenen erzählt: Im Gemeinderat ist man moralisch flexibel, im Parlament zählt vor allem Populismus, den man mit Schulden erkauft, und in der EU ist man als Politiker vor allem mit dem Anzapfen der Geldtöpfe beschäftigt und lässt beim Asylrecht ganz unsolidarisch die Grenzstaaten im Stich.
Passend zur Single ist ein von Satanella mit Thomas Spitzer produziertes, liebevoll gestaltetes Stop-Motion-Video erschienen, in dem die Politiker als Eier dargestellt werden, was eine hervorragende visuelle Metapher für die rückgratlosen Politiker im Song ist („gleich hoch wie bra't / ... / im Halse ein Gelenk / gut geölt für jeden Richtungsschwenk“). Die Single vereint also alle Epochen der EAV in einem: Musikalisch klingen die 80er und 90er, im Text ist das Spätwerk erkennbar und das Video versprüht den Charme der Anfangsjahre, in denen wie hier alles selber gemacht wurde von der EAV.
Die Hardcore-Freunde der EAV im EAV-Fan-Forum hatten dennoch keine große Freude an dem Song. Die einen störten sich daran, dass er zu viele bekannte Merkmale der 80er und 90er Songs enthält, die anderen hätten lieber eine durchgängige Geschichte mit mehr lieblicher Verpackung gehabt und wiederum weitere hätten lieber ein Musikvideo gehabt, das an den Produktionsaufwand der DoRo-Videos heranreicht. Dem Erfolg hat dieses Urteil allerdings nicht geschadet: Das Musikvideo schaffte 1,7 Millionen Aufrufe (Stand 28.1.2026) und bei der „1000 Jahre EAV“-Tour wurde der Song stets mit viel Beifall aufgenommen.
Auf der Streaming-Plattform Spotify ist der Song als Single mit eigenem Cover erschienen. Auf der Download-Plattform iTunes ist der Song allerdings als Vorab-Track des Albums zu kaufen gewesen. Folglich ist dort das Single-Cover nicht verwendet worden. Auf Spotify ist der Song mit der Länge 3:12 zu finden. Auf dem Album hat der Song die Längenangabe 3:10. Es ist allerdings kein Unterschied zwischen Single und Album zu erkennen.

